Nach dem Ersten Weltkrieg versuchte man expressionistische Darstellungsprinzipien auch auf die Filmleinwand zu übertragen. Man unterschied schon bald zwischen rein abgefilmten, textlich orientierten Theaterproduktionen und rein visuell akzentuiertem Kunstfilm mit eigener Bildsprache.
So bildete sich auch der neue Begriff des „Autorenkinos“. Zwischen 1911 und 1914 entfernte man sich immer mehr vom Kurzfilm und begann, abendfüllende Filme zu produzieren.
Eigenschaften
Charakteristisch für den Expressionismus des Films waren stilisiert gemalte anstatt gebauter Kulissen, ebenso verzerrte Perspektiven und extreme Gestik bzw. Mimik der Schauspieler. Durch gerichtetes Licht wurde außerdem der Hell-Dunkel-Kontrast gerne betont (Low-Key-Beleuchtung). Diese Technik wurde als filmerisches Stilmittel weit über den Expressionismus hinaus übernommen und vor allem in Dracula- und Kriminalfilmen angewandt. Die Außenwelt wurde grotesk und phantastisch dargestellt und sollte so als Spiegelbild der psychischen Prozesse der Figuren dienen. Auf reine Außenaufnahmen wurde zumeist bewusst verzichtet. Im Unterschied zum amerikanischen Film, wo eher nervöse Cuts an der Tagesordnung standen, war im deutschsprachigen Raum ein langsamer Schnittrhythmus typisch.
Bekannte expressionistische Filme
Berühmte expressionistische Kunstfilme sind „Das Kabinett des Dr. Caligari“ (1919, Robert Wienes) und das Mythenepos „Der Golem“ (1920, Paul Wegener und Henrik Galeen). Wegener sagte über seinen Film, dass die Kamera der eigentliche Dichter des Films war. Im Horror-Genre setzte Friedrich Wilhelm Murnaus mit der Vampirgeschichte „Nosferatu“ (1921) Akzente. Erwähnenswert sind auch „Die Straße“ (1932, Karl Grune) und „Die freudlose Gasse“ (1925, Georg Wilhelm Pabst). Den Höhepunkt des expressionistischen Films war jedoch der Stummfilm in dem häufig prominente Schauspieler und Schauspielerinnen wie Greta Garbo, Werner Krauss oder Fritz Kortner mitspielten. Der deutsche Film war in dieser Zeit auf internationaler Ebene so erfolgreich und stilprägend, wie es nie wieder geschafft wurde. Seine Wirkung schwappte auch noch auf die Filme „Der müde Tod“ (1921) , „Dr. Mabuse, der Spieler“ (1921/1922) und das Sciencefictionmeisterwerk „Metropolis“ (1926, alle von Fritz Lang) über.